Powerzaun

Powerzaun – das ist nicht nur der Titel der seit Jahren in der Schublalde ruhenden und der Veröffentlichung harrenden, grandiosen Comeback-Single von Gründstück, sondern auch der Markenname für ein Drahtgeflecht, das sich hierzulande gern um Viehweiden findet und windet.

Dieser Artikel möchte Brücken schlagen zwischen den späten Achtziger Jahren und der weißen Stute Bianca auf der Wiese hinter der Tankstelle in Roxel und den Affen im heutigen Allwetterzoo: sie teilen sich das gleiche Schicksal. Eingepfercht durch des Iones Kraft.

Gestern überwand nun ein mir bekanntes Kind im Alter meines großen Sohnes eine herkömmliche, ungeladene Absperrung und fasste wohlgelaunt und voller Tatendrang an den Elektrodraht um das Affengehege. Der abgehärtete Erziehungsberechtigte weiß: nur so lernt man’s.

Ich selbst erinnerte mich stante pede an meine Kindheit.

Der kleine Jan hatte gerade herausgefunden, dass man dem Elektrozaun um die Weide des nach trockenem Brot und Würfelzucker gierenden Pferdes ein Schnippchen schlagen konnte, in dem man Gummistiefel trug. Fort war die Erdung, fort war der erfrischende Schlag, für den Jugendliche bis heute Münzen in “Liebestest”-Automaten auf Jahrmärkten werfen.

Wäre da nicht mein Vater gewesen, der sich zu einer Tat hinreißen ließ, die ihn, in die Welt der jüngst zu populären Rage Comics verfrachtet, perfekt als “Troll Dad” erscheinen ließe.

Was tat er nun?

Er stellte sich neben seinen Sohn, streckte seinen Arm und berührte mit den Fingern die Schulter des Kindes. Sofort nutzte die soeben noch gehörnte Physik, die schmollend in der Ecke gesessen hatte, die Gunst der Stunde und ließ einen saftigen Britzler durch den erdenden Vater und somit durch den Sohn schießen.

Vielen Dank, lieber Hermann, vielen Dank :D

Nachtrag: hier der entsprechende Rage Comic.
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Der Gigafail kommt nach Münster

Hallo liebe deutsche Telekom. Oder soll ich euch T-Com nennen? Man weiß das ja nicht wirklich. Vielleicht sind auch noch Leute in euren Reihen, die sich lieber als Postler anreden lassen, könnte ja sein.

Vor einer Weile schon hatte ich mich im sozialen Netzwerk mit den 140 Zeichen darüber moniert, dass der obige Konzern in Münster auf Plakaten den bevorstehenden Ausbau seines Glasfaserkabelnetzes bewirbt, sich jedoch nicht mal die Mühe gemacht hat, das mit “Das Giganetz kommt nach Münster” personalisierte Plakat auch mit einer passenden Fotografie zu versehen.

Stattdessen sieht man Magenta-Weiß-farbene Wellenformen durch mir fremde Straßenzüge zucken. Doch damit nicht genug. Als ich dem Plakat ungewollt etwas näher kam, musste ich auch noch entdecken, dass man nicht einmal eine echte Luftaufnahme genommen hat, sondern ein 3D-Modell aus Google Maps oder einem ähnlichen Angebot:

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Gigafail 3D

Die Fachwerkhäuser im Vordergrund tragen seltsamerweise Geäst auf ihrer Fassade, auf dem Platz davor ist aber gar kein Baum zu sehen. Das Gehölz befindet sich einzig und allein auf der Textur des Gebäudes.

Aber dieses Plakat setzt der gesamten Aktion ja nur die Krone auf. Man behauptet, 4800 Vorverträge müssten her – also vermutlich knapp 5000 Haushalte, die sich schon jetzt verpflichten, ein überteuertes Angebot zu kaufen, das sie nicht wirklich brauchen – damit der Ausbau starten könne.

Als ob es die Telekom wirklich von einer Hand voll Verträgen abhängig machen würde, ihre Infrastruktur auszubauen. Das wäre so, als würde ein Handyanbieter sagen: kauft euch alle schon mal ein Handy von uns, danach bauen wir euch auch garantiert ein Netz! Pah!

Und auf dem als Infostand getarnten Werbestand in den hiesigen Arkaden – jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat heutzutage Arkaden irgendeiner Ausprägung – findet sich ein Zählerstand für die bereits abgeschlossenen Vorverträge. Dummerweise ist dieser auf Karton gedruckt und in keiner Weise änderbar. Es kann also niemand dort hingehen, einen Vertrag abschließen und der nette Herr setzt mal eben den Zähler um eins hoch. Alles Augenwischerei.

Ich sag’s euch, ich sag’s euch. Als nächstes mache ich o2 nieder, mit denen habe ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Ständig rufen mich Leute an und bekommen ein Freizeichen, aber bei mir klingelt es nicht, oder aber sie bekommen ein Besetzt-Zeichen, aber meine Leitung ist frei. Ekelhaft. Und es liegt nicht am Handy, es wurden schon verschiedene Modelle getestet. Und auch nicht an der Nummer, es tritt bei weiteren Teilnehmern auf.

Guten Abend.

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Urban Arrow

Vorweg: für alle, die über die Google-Suche hierher gekommen sind und sich im Raum Münster ein Urban Arrow Bakfiets zulegen möchten: 123rad in Münster kann das Fahrrad direkt vom Hersteller besorgen.

Seit unser großer Sohn in die KiTa geht, hat sich die tägliche Laufleistung unseres Gazelle Cabby nochmals deutlich erhöht. Da schielen wir neidisch auf unsere – hier mitlesenden – Nachbarn, die ihren außerordentlich wohlgeratenen Nachwuchs mit elektrischer Unterstützung gen Süden in eben jene KiTa fahren.

Allerdings tun sie das mit einem dreirädrigen Gefährt, und auf das dritte Rad bin ich, ich erwähnte es bereits an anderer Stelle, nicht sonderlich scharf. Mein favorisiertes Rad bleibt das Zweirad.

Also habe ich mich in dieser Richtung umgeschaut. Zuerst fiel mir das Sparta E-Kargo auf. Leider hat sich der holländische Premium-Hersteller dazu entschlossen, auf seiner Website mit Details zu geizen. Außer, dass es das Rad gibt, erfährt man so gut wie gar nichts. Dass es für uns essentielles Zubehör wie zum Beispiel eine Halterung für den Maxi Cosi sowie ein Regendach gibt, erfuhr ich erst nach einer Anfrage per Mail.

Aber immerhin: der Kundenkontakt war sehr zufriedenstellend und um Hilfe bemüht. Man versprach sogar, sich darum zu kümmern, dass ich eine Probefahrt machen könne. Der einzige gelistete Sparta Händler des Ortes ist nämlich der Laden, in dem sie nur Fahrräder verkaufen, aber sonst keine Ahnung haben.

Die Probefahrt steht noch aus, aber in der Zwischenzeit kamen mir Zweifel, nachdem ich über die Google-Suche verschiedene Bilder des Regendaches zum E-Kargo gefunden hatte. Von der Konstruktion her ähnelt es denen der bakfiets.nl-Räder, jedoch erscheint es in Ausführung und Qualität – nach allem, was man vom Foto sagen kann – deutlich schlechter.

Als ich dann auch noch feststellte, das man ein bakfiets.nl Cargobike Long mit elektrischem Antrieb und den üblichen Extras zum gleichen Kurs bekommt, wie das Sparta, war das E-Kargo zunächst vom Tisch.

Dann aber bemerkte ich einen entscheidenden Unterschied. Nachdem mit ein örtlicher Händler (von dem hier zuvor noch nie die Rede war) bescheinigt hatte, das Gazelle Cabby ließe sich für einen horrenden Betrag mit einem elektrischen Motor nachrüsten, der dann allerdings im Vorderrad säße, fiel mir auf: auch die bakfiets.nl Räder werden ab Werk mit Vorderradantrieb ausgestattet. Wenn man das kleine Wörtchen “Schlupf” kennt und weiß, dass es in Münster mitunter regnet, ist das gar keine gute Idee.

Also suchte ich weiter nach anderen Bakfietsen vom Typ Long John und fand nach einem Klick auf einen Link in irgendeinem Forum das, was ich, in der für mich typischen Art der kindlichen “will-haben!” Begeisterung nur als den heiligen Gral der elektrischen Fahrradmobilität bezeichnen kann.

Das “Urban Arrow”.

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Ein futuristischer Rahmen, der Rund um Kette und Tretlager extrem verstärkt ist, um die brachiale Kraft des darin verbauten Bosch-Motors Daum-Motors aufnehmen zu können. Auf der hinteren Achse ein stufenloses Planetengetriebe. Vorne die Bakfiets-übliche Kiste in Anthrazit, die Aluminiumrohre weiß abgesetzt. Atemberaubendes Design. Und ein Konzept, dass gewaltigen Vortrieb verspricht.

Ich habe sofort Michael (wir duzen uns nicht, aber ich kenne seinen Nachnamen auch nicht) von 1,2,3-Rad gebeten, herauszufinden, ob das Rad irgendwie in Deutschland zu beschaffen ist. Wäre ich gläubig, würde ich jetzt zu meiner Gottheit beten, dass das Rad entweder viel zu teuer ist, oder aber gar nicht verfügbar. Ansonsten mache ich mir ernsthaft Sorgen um mein letztes Erspartes…

Wie es weiter geht? Hier erfährt ihr es zuerst. Und hier könnt ihr euch das Teil schon mal anschauen.

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Now Start Bashing

Lobeshymnen auf die Hammer Straße. Völlig verweichlicht, könnte man meinen. Aber haha, ich kann auch anders. Jetzt wird richtig ausgeteilt. Konnte ich mit meinen Anbiederungen immerhin noch zahlreiche Sympathisanten auf den Plan rufen, wollen wir doch mal sehen, wer sich jetzt noch bekennt. Arbeiten wir uns chronologisch durch die Straße, beginnend ab Ludgerikreisel.

Gleich links geht es los mit dem mit Abstand miesesten Fahrradladen, der mir je untergekommen ist. Keine Ahnung, wie in der Speiche die Preisgestaltung ist, ich bin nie soweit gekommen, irgendetwas zu beauftragen. Der stets missmutige Mechaniker raucht den ganzen Tag Kette, weswegen die Ziervögel, die er sich in der Werkstatt hält, kaum singen, sondern nur Husten. Anfragen nach eventuellen Reparaturen werden generell mit “einen Tag muss das Rad mindestens hier bleiben” beantwortet.

In direkter Nachbarschaft eine Filiale der Stadtbäckerei, die Samstags und Sonntags geschlossen hat. Wie dämlich ist das denn?

Der nächste Ausfall nach unten kommt an der Ecke Bernhardstraße. Was haben wir frohlockt, als der damals noch in direkter Nachbarschaft befindliche Kaiser’s die Segel strich. Der schlechteste Supermarkt der Welt schloss die Pforten und wir machten uns Hoffnung, es konnte nur besser werden.

Der denn’s Biomarkt, der ein paar Monate später eröffnete, schickte sich an, mit dem Vormieter nicht nur den Apostroph im Firmennamen gemeinsam zu haben. Das Gemüseangebot “beleidigt das Auge” (Zitat Tresenlesen). Man kann fast nichts kaufen, das nicht vergammelt ist, bevor man den heimischen Kühlschrank erreicht. Schwarzmaler werden sagen: “das ist halt Bio”, aber wir wissen es besser, daran liegt es nicht.

Die gesamte Belegschaft ist zwar freundlich bemüht, versagt aber regelmäßig bei den einfachsten Aufgaben. Wenn man direkt nach Ladenöffnung kommt, ist grundsätzlich niemand da, um zu bedienen, da allerorts noch Regale eingeräumt werden. Dass dies in “professionellen” Supermärkten vor und nach den Ladenöffnungszeiten geschieht, scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben. Zumal das Ein- und Ausräumen offenbar keinerlei Erfolg bringt: ständig findet man abgelaufene Produkte im Regal. Der Prozess, um dieses zu verhindern, nennt sich im Fachjargon “Abschachteln”. Hier: unbekannt.

Noch schlimmer ist es beim Bäcker, der einen Shop in Shop betreibt. Hier ist man jedes Mal überrascht, dass die Kunden Backwaren verlangen. Im seltensten Falle wird man unter fünf Minuten Wartezeit bedient, weil der Kunde vor einem noch auf die Vollkornbrötchen wartet, die noch nicht fertig gebacken sind, und es natürlich nicht möglich ist, während dieser Wartezeit schon mal zu gucken, ob es den nachfolgenden Kunden vielleicht nach etwas verlangt, dass kürzere Lieferzeiten hat.

Und wenn man vom Schicksal geküsst wurde, kommt man freitags in den denn’s. Dann erwartet einen direkt am Eingang ein alter Mann mit starrem Blick, der einem verschiedenste Produkte zum Probieren aufzwingt und danach mit einer Mischung aus Mitleid, Scham, Bedrängen und Beharrlichkeit dafür sorgt, dass man von dem probierten Produkt auch mindestens zwei Kilogramm kauft.

Etwas weiter der “Petite Brocante”. Was ist das überhaupt?

Danach der Konditor Mönning. Die nächste Anlaufstelle, nicht zuletzt wegen der bescheuerten Öffnungszeiten der Stadtbäckerei, wenn man des Wochenends Brötchen in die Junkerstraße holen will. Die Diensthabenden Damen sind aber regelmäßig beleidigt, wenn man etwas kaufen möchte. Glücklicherweise wohnen wir jetzt woanders. Hier im Geistviertel gibt’s Sonntags überhaupt keine Brötchen.

Wir machen einen großen Sprung noch hinter die Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße. Hier finden wir das äußerlich vielversprechende Küchenstudio “Alma”. Doch die Diensthabenden Gelfrisuren versprechen gern eine Küche für drei- bis viertausend Euro, um nach einer mehrstündigen Beratung, für die man extra einen Babysitter organisiert hat, einen fünfstelligen Betrag als “sehr gutes Angebot” zu präsentieren. Ohne rot zu werden.

Noch weiter stadtauswärts befindet sich ein Fahrradgroßhändler. Dort wird mit Rädern gehandelt. Mehr aber auch nicht. Niemand hat Ahnung davon, was verkauft wird, und wenn man ein Rad probefahren will, welches hinter zwei weiteren Rädern hervorgeholt werden müsste, gilt man als unverschämt.

So, da hast du’s, Hammer Straße.

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Hämmer, die ich in der Eile vergaß

Nach dem für mich, der ich 0,003 Kommentare pro Artikel gewohnt bin, überwältigenden Feedback zu meiner Lobeshymne auf die Hammer Straße, möchte ich, zurecht, noch ein paar weitere Highlights dieser actiongeladenen Event-Promenade aufzählen. Durchaus möglich, dass einige davon auch schon in den Kommentaren zum vorangegangenen Artikel Erwähnung fanden.

  • das Shadi, leckerstes Essen direkt neben Reza und bikeparts4me
  • der Kiosk neben dem Shadi ist auch gut: nirgendwo sonst sind mir zum Abschied schon so viele schöne Tage gewünscht worden
  • völlig übersehen habe ich bisher den besten Konditor der Stadt: Issel! Den kleinen Hang zur Arroganz (Montags geschlossen, “niemand in Münster kann vernünftige Brötchen backen” [sic!]) vergessen wir großzügig beim Anblick der köstlichsten Torten weit und breit
  • wer etwas bei eBay zu verkaufen hat, aber für das ganze drumherum zu faul ist, kann den Service von pretty bay in Anspruch nehmen, Münsters eBay Verkaufsagentur

Noch etwas vergessen? Gerne in die Kommentare damit!

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Der Hammer, Hammer Straße

Immer mal wieder bemerke ich, wie großartig die Hammer Straße ist. Hier gibt es nahezu alles, was das Herz begehrt, beinahe könnte sie die Innenstadt vollständig ersetzen. Heute war wieder so ein Tag, an dem ich die Straße bis in den Himmel loben könnte, und davon will ich euch erzählen.

Am Cabby – das ist das Cargobike, welches eifrige Leser bereits aus früheren Einträgen kennen – sind in letzter Zeit ein paar Schönheitsreparaturen fällig geworden.

Nach ein paar Tagen Frost war zunächst die Gangschaltung eingefroren. Nicht unüblich, bei meinem Kettler-Rad schalte ich, wenn ich daran denke, einfach in einen erträglichen, mittelhohen Gang, und schalte einfach ein paar Tage nicht, beim Cabby ist das aber was anderes. Bei zwei Kindern und Gepäck in der Box möchte man ganz gerne im ersten Gang anfahren, insbesondere auf dem weiten Weg zur KiTa.

Also fuhr ich mit dem Cabby beim Gierse vor, der seine Werkstatt unter dem Namen “bikeparts4me” betreibt. Er tauschte den Zug der Schaltung umgehend aus, verlangte einen lächerlichen Betrag, baute dann spontan noch einen Schnellspanner an die Sattelstütze, und das für Umme, das Originalteil von Gazelle hätte 22,90 Euro gekostet. Und, nach ein paar Tagen mit dem Ersatz kann ich sagen: der beste Schnellspanner, den ich je hatte.

Wenige Tage zuvor war mir auf dem Weg ins Büro das Tretlager meines Kettler-Rades gebrochen. Ich stellte es morgens vor die verschlossenen Tore der Werkstatt, rief später vom Büro aus an und veranlasste den Austausch des Tretlagers, die Erneuerung der Vorderradbremse sowie auch hier einen neuen Zug für die Gangschaltung. Am gleichen Mittag konnte ich das Rad wieder nach hause fahren. Auch hier stimmte der Preis, aber viel wichtiger ist doch der immense Service: ich konnte das Rad einfach vorm geschlossenen Laden stehen lassen, nach einem kurzen Anruf war alles noch am selben Vormittag geregelt. Für jemanden, der auf sein Rad angewiesen ist, kann es keinen größeren Luxus geben.

Heute fuhr ich erneut mit dem Cabby und dem großen Sohn die Hammer Straße stadteinwärts, zum einen, um die Windeln für den kleinen Sohn in eine Nummer größer umzutauschen, weil er schneller wächst, als die Polizei erlaubt, zum anderen, um ein paar Liter Saft zu kaufen.

Zusätzlich wurde ich beim Schneider Reza vorstellig, der direkt neben der zuvor erwähnten Fahrradwerkstatt seine Schneiderei betreibt und kurzerhand eine aufgetrennte Naht am Dach des Cabby wieder nähte. Er lehnte jegliche Bezahlung ab, ich tat etwas in die Kaffeekasse.

Auf dem Rückweg kehrte ich bei 1,2,3rad ein, um mir Rat für die gebrochene Zeltstange am Dach des Cabby zu holen. Mit ein paar Handgriffen reparierte man mir die Stange so, dass sie wieder aussieht, wie neu. Hilfsmittel eine Schraubzwinge, ein dünner Inbus-Schlüssel (ja, so heißen diese Schrauben nämlich) und ein Metallstift. Entgelt wurde keines erhoben, ich füllte erneut ergebenst die Kaffeekasse.

So ist sie, die Hammer Straße. Service all überall. Herrlich. Wenn ich etwas liebe, dann guten Service. Ich kann kaum begreifen, dass manche Leute nicht kapieren, wie wichtig das für’s eigene Geschäft ist und wie stark die Kundenbindung wird, wenn man einfach nett und zuvorkommend ist.

Der Haushaltswarenladen zum Beispiel ließ mich einen Dünsteinsatz zum Probieren mit nach Hause nehmen – ich hinterließ nur Telefonnummer und Namen.

Der Schuhladen bestellt unverbindlich Stiefel zum anprobieren.

Der Spielzeugladen sei jedem zu empfehlen, der Geschenke für Kinder sucht. Die Beratung ist erstklassig, wer keine Ideen hat, findet hier welche, passend für jedes Alter, abseits des “Felix der Hase” und “Capt’n Sharky” Mainstream. Und wer basteln will, ist hier auch gut beraten.

Lecker gegessen zu besten Preisen wird immer beim Berlin Döner, bei Erin, oder beim Indian Curry House.

Lotto spielen und einen kurzen Schwatz halten kann man bei den Fritzen von Lotto Fritzen. Die kommen aus dem Rheinland, daher die Redseligkeit.

Der Kaffeefreund steht vor der Josefskirche und ist, was er ist: ein Freund mit sehr, sehr gutem Kaffee.

Und wir haben ja noch Frau Többen, eine Filiale von Musik Produktiv, eine Apotheke mit extra langen Öffnungszeiten, … und der SC Preußen Spielt natürlich auch an der Hammer Straße.

Hammer Straße, ich finde dich gut!

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Die liebe Nachbarschaft

Seit über vier Monaten organisieren die Eltern von sechs Kindern gemeinsam eine Spielgruppe. Die Raumsuche gestaltete sich daher sehr schwierig, schließlich wählten wir das Café Geistreich, den Bewohnertreff im Erdgeschoss des Hauses, in dem wir selbst wohnen.

Seitens des Bewohnervereins bot man uns sogar an, einen großen Teil des Spielzeugs dauerhaft im Café stehen zu lassen, da dieses ja auch durch die anderen Gäste des Cafés – also deren Kinder – genutzt werden könne. Von einem Mehrwert fürs Café war damals die Rede. Wir nahmen dankend an, denn obgleich wir schon Pläne hatten, das Spielzeug vor jeder Gruppe aus dem Keller zu holen und es hinterher wieder dorthin zu bringen, war es so natürlich viel praktischer.

Über vier Monate später bin ich nachmittags gerade von der Arbeit zurück, als mein Telefon klingelt: “Ja hallo, hier ist …” sagte eine Frau. “Du hast doch diese Spielgruppe im Geistreich?”

Ich bin ein wenig überrascht. Vielleicht jemand, der ein Kind hat, das mitmachen will? Der Name sagt der Frau mir nichts.

“Die Spielsachen müssen alle raus. Wir haben das Geistreich gemietet und da stehen diese ganzen Sachen. Du musst jetzt sofort kommen und alles hier raus holen.”

Jetzt bin ich noch etwas überraschter, und auch etwas empört ob des Befehlstons. Ich versuche zu erklären: “Nein, das kann alles stehen bleiben.” Aber es geht munter weiter: “Da ist auch eine Puppenküche dabei. Wir wollen hier eine Teenie-Party feiern. Wie soll denn das gehen? Wir haben das gemietet und das muss alles raus!”

“Ja, ihr könnt es doch zur Seite stellen oder ins Bad”, versuche ich zu besänftigen.

“Eine Teenie-Party!” quengelt es ungehalten. “Wie soll denn das gehen? Wir haben das gemietet!”

“Da hat auch schon eine Beerdigungsfeier stattgefunden und niemandem war das Spielzeug im Weg!” sage ich empört.

“Ja, äh…” Kurz scheint es, als sei die Unsinnigkeit der eigenen Forderung durchgesickert, ebenso die nicht vorhandene Berechtigung. Aber zu früh gefreut: “Das ist mir egal, wir haben das hier gemietet, das muss alles raus, du musst sofort runter kommen und das wegräumen.”

Jetzt bin ich richtig in Fahrt, meine Freundin, die mir während des Telefonats gegenüber sitzt, gestikuliert, ich solle leiser reden. “Äh, nein!” sage ich. “Selbst wenn ich jetzt Zeit hätte, würde ich nicht kommen.”

Irgendwo in diesen Satz schimpft die Frau ein wütendes: “dann halt nicht” und legt auf.

Ich kann das nicht auf mir sitzen lassen und schon gar nicht so stehen lassen. Also schlüpfe ich in meine Pantoffeln, nehme meinen Sohn auf den Arm und laufe runter ins Café. Dort stürmt gerade der Mann herein.

“So, du räumst jetzt die Sachen hier weg!” herrscht er mich an. Wieder versuche ich zu erklären. “Nein, das…”

“Du räumst das jetzt sofort weg, sonst gibt es Ärger, aber richtig Ärger!” sagt der Mann jetzt, und dabei wird er ziemlich laut.

Ich erkläre ihm den Sachverhalt, dass die Spielsachen im Café stehen bleiben dürfen und dass wir das auch mit der Leitung des Cafés sowie in Personalunion dem Vermietungsteam abgesprochen hätten.

“Das hat aber keiner mit dem Vorstand abgesprochen” bellt der Mann wütend, aber ich bilde mir ein, minimal herauszuhören, dass er mein nächstes Argument bereits kennt und er um seinen moralischen Standpunkt bangt.

“Soweit ich weiß, kann das Vermietungsteam das eigenständig entscheiden”, stelle ich korrekt fest.

Zwischenzeitlich kommt auch die Frau, die mich angerufen hat, mal wieder herein und jammert: “So, dann kannst du das jetzt ja alles wegräumen.”

Ich verneine abermals und versuche mich erneut in meiner Argumentation. Doch schon wieder bekomme ich zu hören, dass die Puppenküche bei einer Teenie-Party doch eher störend sei. “Du hast doch selber Kinder”, bemerkt Schweinchen Schlau bei Anblick meines Sohnes auf dem Arm, “wie würden die das denn finden, wenn auf deren Teenie-Parties später mal Spielzeug herumstände?”

“Das weiß ich nicht, aber das ist mir auch vollkommen egal”, gebe ich ganz den liebevollen Vater, “Tatsache ist, dass die Sachen hier stehen dürfen. Schließlich ist das ja auch ein Mehrwert fürs Café.”

Die Frau verfehlt mit einem weiteren Versuch das eigentliche Thema: “Wir hatten hier mal einen Kicker, den durften wir hier auch nicht stehen lassen…”

Ich gehe überhaupt nicht drauf ein. Das Spielzeug steht sauber aufgereiht an der Wand. Ich versuche nochmals zu vermitteln: “So, wie das hier steht, kann man doch die Videoleinwand benutzen, und auch zum Tanzen ist genug Platz.”

Leider habe ich damit nur die gefühlt tausendste Nennung des Unwortes “Teenie-Party” heraufbeschworen.

“Ja dann räumt den Kram doch ins Bad, in die Dusche, und hinterher stellt ihr es halt wieder hin. Wenn wir Spielgruppe haben, räumen wir auch immer alle Tische erst weg und stellen sie später wieder hin.”

Auch für diesen Vorstoß kein Verständnis. Stattdessen kündigt die Frau an, dann jetzt halt alles nach draußen zu stellen, da es ja nicht regne. Ich gehe wieder nach oben.

Wenig später laufe ich mit meinem anderen Sohn im Tragetuch durch die Siedlung. Ich gehe ein paar Runden, damit er einschläft, und natürlich laufe ich vor dem Geistreich der Frau in die Arme. Sie beginnt einen Satz mit “Sorry” und ich werde hellhörig.

“Sorry, aber das fand ich gerade echt nicht okay von dir.”

Wäre ja auch zu schön gewesen. Ihr Mann kommt dazu. “Du kannst die Sachen dann ja hinterher wieder rein stellen.”

Mir platzt fast der Kragen: “Nein, das werde ich nicht tun!”

“Doch, das machst du!” bestimmt der Mann. “Nein, ihr versteht es nicht.”, sage ich, “ihr werdet das alles selbst wieder rein räumen”, und an dieser Stelle werde ich erstmals selbst ein wenig unfair, der Aufregung geschuldet: “Wenn das hier nachher alles noch draußen steht, stehe ich mit sonst wem bei euch vor der Tür!” drohe ich.

Ich versuche, nochmal zu wiederholen, warum das Spielzeug im Geistreich stehen darf und warum es daher nicht meine Aufgabe ist, es rein und raus zu räumen, aber ich werde von ihm als “sturer Bock” beschimpft und ihre letzten Worte im weggehen sind sowas wie: “Ach weißt du, dann halt doch die Klappe, mit so einem wie dir, da bringt doch Reden nichts…”

Ich habe dann noch mit der Dame aus dem Vermietungsteam sowie einem Vorstand geredet. Deren Reaktion schwankte zwischen Staunen und Unverständnis.

Am Abend rief ich die Nummer zurück, von der ich Nachmittags angerufen worden war und sprach ein Friedensangebot auf den Anrufbeantworter. Ob man sich nicht noch mal in Ruhe unterhalten möge und die Sache vom Nachmittag aus der Welt schaffen, damit man sich in Zukunft nicht noch unnötigerweise aus dem Weg gehen müsse.

Ein Satz des Tages bleibt hängen. Warum machen es sich die Leute so schwer?

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Respekt ist meine Aufgabe

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Rage Comic

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